Donnerstag, 11. August 2016
Warum wir vor China keine Angst haben brauchen
China ist ein aufstrebendes Land mit einer sehr langen Geschichte und einem ausgeprägten kulturellen Dasein. Man könnte über China zig Publikationen veröffentlichen, alleine schon wegen dem kulturellen Erbe, dass China bis in die Neuzeit so geprägt hat. Doch warum entsteht bei uns - vor allem bei uns Deutschen - so ein Unbehagen, wenn es um China geht?
Gemäß eines Wirtschaftsartikels der Zeitung "Die Welt" vom 18.02.2014 fürchten 59 Prozent der Deutschen Chinas politische Macht als eine Bedrohung oder 86 Prozent sehen China vor allem als Standort für Massenproduktion, die unsere einheimische Wirtschaft mit Billigimporten, die von den sogenannten Wanderarbeitern in unzähligen Industristädten in China produziert werden, uberschwemmt.
Zudem kommen dann noch die Menschenrechtsverletzungen, die natürlich in unseren Nachrichten und Zeitungen sehr präsent sind und was mich auch als Demokrat sehr nachdenklich stimmt.
Das alles ist eine Tatsache, die man nicht so einfach wegdiskurtieren kann und man sollte zumindestens offen darüber reden können.
Doch wenn man Chinas Ideologie verstehen will, muss man etwas weiter zurückblicken. Vor Tausenden von Jahren zur Kaiserzeit in den einzelnen Dynastien gab es viele politische Umwälzungen. Die einzelnen Herrscher der jeweiligen Dynastien haben nach konfuzianischen Lehren gehandelt, was für einige Menschen im heutigen China noch Bestand hat.
Mao Zedong wollte China durch die Kulturrevolution von dieser kunfuzianischen Ideologie befreien. Gelehrte, die sich mit dieser langen Tradition der kunfuzianischen Lehren befasst haben, sollten aus dem Verkehr gezogen werden.
Somit hat sich die kommunistische Ideologie in China stark verankert. Alles sollte für das Wohl des Volkes ausgerichtet werden. Jegliche Kritik von innen und außen sollte mit repressiven Mitteln der kommunistischen Partei niedergeschlagen werden.
Die kommunistische Partei hält 70 % der Taten von Mao für gerechtfertigt. 30 % werden demnach als schlechte Taten eingestuft.
Doch wie sieht die Wirklichkeit aus?
Sieht die Bevölkerung das auch so?
Der größte Teil der Bevölkerung sieht sich mit Sicherheit unter den 70 %.
Doch gerade die Öffnung heute mit dem Westen und zur Zeit des Sino-Japanischen Krieges 1894 - 1895, als Japan für China ein Modell des zivilisierten Fortschritts darstellte, zeigt uns, dass China bereit ist, von anderen Staaten zu lernen. Deutschland ist auf dem Gebiet der Maschinenbautechnik und der Pharmaproduktion führend.
Wir haben ein hohes Exportvolumen nach China, was uns natürlich auch in der Hinsicht als einen wichtigen Wirtschaftspartner mit China ausmacht. Viele deutsche Firmen haben ihre Produktion nach China verlagert. Vor allem die Autoindustrie ist in China stark vertreten. Der chinesische Automobilmarkt zählt zum größten Markt der Welt. Die Volksrepublik ist also gewillt, am wirtschaftlichen Roulettetisch der internationalen Mächte mitzuwirken, und China ist bereit zu lernen, um ihr technologisches Know-How zu verbesseren. Man sieht also, dass Chinas Wirtschaft wächst und wächst. Prognosen zufolge wird China 2020 die bedeutendste Wirtschaftmacht der Welt sein.
Müssen wir also befürchten, dass noch mehr Billigimporte uns übersähen.
Mit Sicherheit nicht, China ist bereits auf dem Weg von einer übergroßen Stahlproduktion auf den Diensleistungssektor umzusatteln.
Gerade auch das westliche Know-Know, was sich viele Chinesen aneignen, wird ihnen helfen, den richtigen Weg einzuschlagen. Die Chinesen möchten ihr Image, eine „Billigproduktionnation“ zu sein, widerlegen. Auf der Agenda als nächste Evolutionsstufe der Wertschöpfung soll daher die Digitalisierung in den Vordergrund gestellt werden.
Doch wie sieht es mit den Menschenrechtsverletzungen aus?
Ich habe eingangs über die konfuzianischen Lehren berichtet, die eine Freiheit der Gesellschaft widerspiegeln. Warum ist es dann also nicht möglich, dass Chinas kommunistische Partei auf dem Gebiet der Menschenrechte ebenfalls lernwillig ist.
Denn diese Theorien sind ihnen nicht fremd, sie sind Bestandteil einer sehr langen Tradition.
Wenn man also China klarmachen kann, was die Vorteile eines solchen "Umswitchen" bezüglich der Menschenrechtslage bedeutet, hat man eine Chance, dass China für uns Deutsche nicht mehr so negativ dargestellt wird.
Daher finde ich es wichtig, dass unsere deutsche Außenpolitik sich mehr mit diesem sehr kontroversen Thema beschäftigt. Meines Erachtens müsste man die deutsch-chinesischen Beziehungen noch intensevieren. Das Stichwort heißt hier „Dialog“ - denn ohne Dialog gibt es keine vernünftige Lösung -
gleichwohl gebe es auch gute Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Peking. Die Volksrepublik unter Xi Jinping könne durchaus ein verlässlicher Partner sein, das habe etwa die chinesische Mitwirkung beim Atom-Abkommen mit dem Iran bewiesen.
Zudem wird die deutsch-chinesische Zusammenarbeit auf der Bildungsebene mit vielen Austauschprogrammen gefördert.
Wir dürfen China also nicht isolieren, sondern müssen sie in die Weltgemeinschaft einbinden. Das wird in der aktuellen Lage, in der es um die Besitzverhältnisse der Inseln im chinesischen Meer geht, enorm wichtig werden. Es darf also von Seiten der Westmächte kein „Säbelrasseln“ in Richtung Reich der Mitte geben.
Vor diesen ganzen Hintergründen müssen wir uns mit der Tatsache anfreunden, dass China ein enorm wichtiger Partner auf politischer, wirtschaftlicher und soziologischer Ebene sein wird. Vor dieser engeren Zusammenkunft mit China brauchen wir aber keine Angst haben.

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